Holy Shit and Naked truth – eine Ausstellung der Extraklasse

Mit Naked Truth und Holy Shit hat das Londoner Künstlerduo BeckerHarrison eine Doppel-Ausstellung der extra Klasse geschaffen.

Das Künstler Duo besteht aus der deutschen Fotografin Carolin Becker und dem britischen Maler Simon Harrison. Die beiden bringen in ihrer Arbeit nicht nur die Medien der Fotografie und Malerei zusammen – sie vereinen auch die verschiedensten Aspekte der Kunst- und Weltgeschichte.

Holy Shit ist der erste Teil der Ausstellung und wird in der Galerie Hiltawsky (Öffnungszeiten: Di-Sa 14h-19h) gezeigt, welche versteckt in Berlin Mitte zu finden ist. Hier werden wir morgens um 10:00 Uhr herzlich sowohl von den Künstlern als auch ihrer PR-Agentin Frau Dinter ( Nadine Dinter PR – http://dinter-pr.de/de/) begrüßt. Es herrscht eine entspannte Atmosphäre, die uns dazu einlädt in den Bilder des Künstlerduos zu schwelgen. Zu sehen sind 17 schwarz-weiß Fotografien von Carolin Becker, die die Künstlerin 2012 während der Oster- und Passahfeiertage in Jerusalem aufgenommen hat und auf eine subtile sowie ironische Art und Weise zeigen, wie die drei Weltreligionen nebeneinander bestehen. Der Maler Simon Harrison bearbeitete die Fotografien mit der Air-Brush Technik und es entstanden Conflict-Art Werke bei denen man zwei oder auch drei mal hinsehen musste.

Beispielsweise zeigt ein Bild hunderte von Menschen die beten und Harrison hat einen winzigen Selbstmordattentäter eingearbeitet, den man erst nach minutenlangen Betrachten des Bildes entdeck. Dieses Werk zeigt die größte Angst die die Menschen an diesen Tagen haben. Die Bilder der Künstler sehen nicht nur fabelhaft aus, sondern regen den Besucher auch zum Mitdenken an. Mit ihren Werken verdeutlichen BeckerHarrison das seit den 1960er Jahren durch Gewalt und Religion prägende Zwiegespräch in Jerusalem. Die von den Künstlern bei diesen Bildern betriebene Conflict-Art ist verblüffend echt, es ist wenig Ablenkung zu sehen und der Betrachter kann sich voll und ganz auf das Wesentliche der Werke konzentrieren. Auch bei näherem Betrachten ist es schockierend, wie real die Bilder auf uns wirken und man nur bei genauem und wiederholtem betrachten die „Manipulation“ der Fotografien erkennt.

Der zweite Teil der Ausstellung ist in der Potsdamerstraße 85 (Öffnungszeiten: Di-Sa 15h-20h) direkt gegenüber des Wintergartens. Ein von außen doch eher unscheinbar und noch etwas unfertiges Haus öffnet uns seine Türen. Der Raum ist weiß, von Baustrahlern beleuchtet. Das ganze ähnelt mehr einem Rohbau, als einer Galerie ist aber für die Bilder die perfekte Umgebung und gerade durch den rohen Stil atmosphärisch eine Besonderheit.

Die acht großformatigen Bilder zeigen Da Vincis Motiv des letzten Abendmahles. Ein Motiv, welches man schon tausendfach betrachtet hat – diese Interpretation hat jedoch etwas so neues, dass wir einfach nur beeindruckt und fasziniert vor den Bildern stehen können. BeckerHarrison reisten mehrfach nach Bangkok, wo sie gemeinsam für die neu Besetzung des Bildes thailändische Ladyboys in Unmengen von Bordellen casteten. Carolin Becker beschreibt uns die faszinierend Arbeit mit den Ladyboys, die nach anfänglicher Unsicherheit ihr zauberhaftes Wesen zeigten und einen großen Eindruck bei beiden Künstlern hinterließen. In einem leeren Konferenzraum in einem Hotel in Bangkok inszeniert Carolin Becker dann die Ladyboys in der Szene des letzten Abendmahles – mal mit einem Ladyboy als Jesus und mal mit dem Maler Simon Harrison. Auf die fertigen Bilder arbeitet Simon Harrison dann mit Acryl-Farbe sowohl Hintergrund, als auch Gewänder und verschiedene gesprayte Kommentar ein. Die Bilder zeigen uns einen klaren Kommentar zu aktuellen Genderdiskussion und verdeutlichen mit Kommentaren wie „who are you to judge“, dass keiner das Recht hat die Lebensweise eines anderen Menschen zu kritisieren.

Neben den acht Großformatigen Fotos, zeigen BeckerHarrison noch ein paar ihrer „Afterparty“-Fotos, welche den Entstehungsprozess der Neuinterpretation des letzten Abendmahles zeigen. Sie verdeutlichen die Vertrautheit, Lebhaftigkeit und Entspannung die am Set vorherrschte und geben dem Betrachter die Möglichkeit noch tiefer in die vollendeten Werke einzudringen.

Wir freuen uns diese zwei einzigartigen Ausstellungen schon vorab besucht zu haben, da die Atmosphäre und die Bilder eine außergewöhnliche Tiefe haben, die oft erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist. Die Künstler Becker und Harrison stehen mit ihren Bildern für fabelhafte Kunst, die den Betrachter zum Nachdenken und hier und da zum Schmunzeln anregt. Man spürt in ihren Werken die Leidenschaft mit denen sie erschaffen wurden und es fällt einem leicht minuten-, wenn nicht sogar stundenlang vor einem Bild zu stehen und es einfach zu betrachten. Diese Ausstellungen ist für jeden Fotografie und Malerei Liebenden zu empfehlen, der einen Schritt in eine vermeintliche Realität wagen möchte, die uns oft so fern vorkommt und dabei doch so schockierend nah ist.

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